Wer eine Option verkauft, wird dafür mit einer Optionsprämie belohnt. Diese Prämie kann eine attraktive Einnahmequelle bilden oder die Gesamtkosten umfangreicher Optionsstrategien reduzieren.
Nicht nur Stillhalter sind deshalb daran interessiert, eine möglichst hohe Optionsprämie zu erzielen! Wir zeigen dir im Folgenden, wie sich die Prämie berechnet und geben dir fünf Möglichkeiten an die Hand, sie effektiv zu steigern.
- Die Optionsprämie ist eine Gebühr, die der Optionskäufer an den Verkäufer zahlt
- Wie hoch die Prämie ausfällt, wird von Angebot und Nachfrage an den Optionsbörsen bestimmt
- Als Stillhalter haben wir verschiedene Stellschrauben, mit denen wir unsere Optionsprämie steigern können
- Wir stellen die fünf effektivsten Formen vor
Optionsprämie: Definition und Berechnung
Alle Optionen sind Handelsverträge zwischen zwei Partnern. Diese sind jedoch nicht gleichberechtigt, sondern haben verschiedene Rollen:
1. Der Optionskäufer:
- Er erwirbt das Optionsrecht und hat die Option (daher auch der Name), den vereinbarten Handel auszuführen.
- Sollte sich die Situation jedoch ungünstig entwickeln, kann er auch darauf verzichten. Die Option verfällt dann wertlos.
- Er befindet sich dadurch in einer vorteilhaften Position (Gewinne bei Erfolg, kein Nachteil bei Misserfolg).
- Diesen Vorteil muss er durch eine Optionsprämie erkaufen. Nur gegen eine Zahlung ist die Gegenseite zu diesem Handel bereit.
2. Der Optionsverkäufer:
- Er verkauft das Optionsrecht an die Gegenseite. Entscheidet sich der Käufer, den Handel auszuführen, muss der Optionsverkäufer dem Folge leisten.
- Da er kein Wahlrecht hat und abwarten muss, wie sich die Gegenseite entscheidet, bezeichnet man ihn auch als Stillhalter.
- Er befindet sich dadurch in einer passiveren Position: Aus der Ausübung selbst kann er keinen Gewinn ziehen – sein Ertrag besteht ausschließlich aus der erhaltenen Prämie.
- Im Gegenzug erhält er eine Optionsprämie als Belohnung. Nur aufgrund dieser Zahlung ist er zum Verkauf der Option bereit.
Die Optionsprämie ist also die Gebühr, die der Optionskäufer an den Verkäufer entrichten muss. Sie wird direkt zu Beginn, bei Abschluss des Geschäfts, ausbezahlt und nie zurückgegeben. Der Verkäufer/Stillhalter darf sie in jedem Fall behalten.
Für ihn stellt sie den maximalen Gewinn dar. Der Idealfall tritt aus seiner Sicht ein, wenn das Optionsgeschäft wertlos verfällt.
Aus Sicht des Käufers ist sie hingegen der maximale Verlust: Lässt er die Option verfallen, ist die Prämie dennoch für ihn verloren. Übt er den Optionskontrakt aus und erzielt einen Gewinn, muss er die gezahlte Optionsprämie davon abziehen.
| Verkäufer (Stillhalter) | Käufer | |
| Option wird ausgeübt | Erhaltene Optionsprämie reduziert Verlust | Gezahlte Optionsprämie reduziert Gewinn |
| Option verfällt | Erhaltene Optionsprämie ist der maximale Gewinn | Gezahlte Optionsprämie ist der maximale Verlust |
Rückkauf und Glattstellung von Optionen
Wenn wir Optionen handeln, vereinbaren wir immer ein Geschäft in der Zukunft – egal, ob es sich dabei um langlaufende Optionen mit vielen Wochen Restlaufzeit oder 0dte Optionen mit nur wenigen Minuten handelt.
- Das bedeutet jedoch nicht, dass wir immer bis zum “bitteren Ende” abwarten müssen! Sowohl der Optionskäufer als auch der Verkäufer haben Möglichkeiten, einen Kontrakt vorzeitig zu verlassen.
Wenn du als Stillhalter agierst, kannst du die offene Option einfach zurückkaufen und somit “glattstellen”. Dabei entstehen dir zwar Kosten, die deine Einnahmen reduzieren; gleichzeitig sicherst du dir aber auch einen Teil der erhaltenen Prämie.
Dieses Vorgehen ist sehr sinnvoll: Je weiter sich eine Option ihrem Enddatum nähert, desto größer wird das Risiko einer ungünstigen Entwicklung für dich! Denn der Zeitwertverlust beschleunigt sich zum Laufzeitende hin, gleichzeitig steigt das Gamma. Schon kleine Kursbewegungen im Basiswert können dadurch zu deutlichen Verlusten führen.
Aus diesem Grund stellen wir Positionen in der Regel vorzeitig glatt, sobald ein Großteil der Prämie vereinnahmt ist – meist bei 50 bis 80 Prozent.
Fünf Wege zu einer höheren Optionsprämie
Viel wichtiger als die Frage “was ist eine Optionsprämie?” ist, wie man sie steigern kann. Immerhin stellt sie die einzige Einnahmequelle für Optionsverkäufer dar. Als versierte Stillhalter konnten wir über die Jahre fünf Wege identifizieren, die unsere Prämieneinnahmen steigern:
1. Nackte Optionen verkaufen
Es gibt Dutzende hochkomplexer Optionsstrategien, die darauf abzielen, Verlustrisiko oder Kosten zu reduzieren oder unsere Gewinne zu optimieren. So ergänzen wir zum Beispiel beim Bear Call Spread einen Short Call um einen Long Call mit einem höheren Preis, um eine Prämie zu erzielen, aber Verluste zu begrenzen.
Geht es jedoch nur um eine größtmögliche Optionsprämie, übertrifft nichts den Handel mit “nackten Optionen”:
- Es handelt sich dabei um Short-Optionen (Short Call, Short Put) ohne weitere Absicherung durch andere Optionskontrakte
- Wir sind dem Verlustrisiko (im Falle des Short Calls unbegrenzt hoch!) voll ausgesetzt
- Da wir keine Absicherung erwerben müssen, bildet die gesamte Optionsprämie unseren Gewinn
- Schutzmechanismen wie Stop-Orders können etwas Sicherheit bieten, aber es bleibt ein erhebliches Risiko bestehen
Sollte es zu einem unvorhersehbaren Black-Swan-Event kommen, könnte der Handel nackter Optionen katastrophale Schäden verursachen. Wer jedoch auf höchstmögliche Optionsprämien aus ist, muss dieses Risiko wohl eingehen.
Unsere detaillierte Meinung zu diesem Thema haben wir in unserem Beitrag Verkauf von nackten Optionen genauer beschrieben.
2. Strangles verkaufen
Beim Short Strangle vereinnahmen wir gleichzeitig zwei Prämien – eine aus dem Short Put, eine aus dem Short Call:
- Der Short Strangle besteht aus einem Short Put und Short Call mit der gleichen Laufzeit und Basiswert. Beide Optionen befinden sich out-of-the-money
- Die Strategie zielt auf gleichbleibende Märkte (Seitwärtsbewegung) ab
- Idealerweise sollte der Kurs des Basiswerts zwischen den beiden Kontrakten bleiben
- Steigt der Basiswert über den Call-Strike oder fällt er unter den Put-Strike, geraten wir in die Verlustzone

Für Phasen starker Trends ist diese Strategie nicht geeignet. Bei bestimmten Marktbedingungen ist sie jedoch eine hervorragende Wahl. Neben der doppelten Prämieneinnahme sinkt in den meisten Fällen auch die Margin-Anforderung. Dies erlaubt uns, eine noch höhere Rendite auf unser eingesetztes Kapital zu erzielen.
Auch hier besteht jedoch ein erhebliches Risiko: Im Falle starker Kursbewegungen drohen hohe Verluste, sodass eine passende Absicherung und aktives Management unbedingt zu empfehlen ist! Dank doppelter Optionsprämie können wir bei dieser Strategie jedoch kleinere Verluste leichter verschmerzen.
3. Verkauf von langlaufenden Optionen
Die Laufzeit der zu verkaufenden Kontrakte ist eine exzellente Stellschraube, mit der wir unsere Optionsprämie steigern können. Der Verkauf von langlaufenden Optionen ermöglicht uns höhere Einnahmen:
- Je länger eine Option noch läuft, desto teurer ist diese auch in der Regel
- Wir erhalten für den Verkauf eine höhere Optionsprämie
- Das niedrigere Gamma sorgt zudem dafür, dass der Optionspreis weniger heftig auf Bewegungen im Basiswert reagiert – ein Vorteil im laufenden Management.
Der Nachteil: Wir müssen länger warten, bis die Option an Wert verliert. Der Zeitwertverlust kommt erst ab 30 bis 60 Tage vor Verfall voll zum Tragen. Langlaufende Short-Optionen sind daher eher für Trader geeignet, die Wert auf eine ruhigere Positionsführung legen und nicht auf schnellen Zeitwertverfall angewiesen sind.
4. Verkauf von Optionen, die näher am Geld sind
Je weiter eine Option out-of-the-money ist, desto günstiger ist sie. Es versteht sich von selbst: Die Wahrscheinlichkeit, mit einem solchen Kontrakt einen Gewinn zu erzielen, ist für den Käufer geringer. Er ist weniger bereit, eine hohe Optionsprämie zu zahlen.
Wir können uns diesen Zusammenhang zunutze machen und Kontrakte näher am Geld platzieren, um unsere Optionsprämie zu steigern. Je näher sich eine Option at-the-money befindet, desto gefährlicher ist sie allerdings für uns als Stillhalter: Der statistische Vorteil nimmt mehr und mehr ab.
Wer jedoch allein auf eine möglichst hohe Prämie aus ist, könnte dieses zusätzliche Risiko akzeptieren und eine Option näher ans Geld als üblich setzen.
5. Verkauf von Optionen mit hoher impliziter Volatilität
Eine Option mit hoher impliziter Volatilität hat einige Vorteile für uns als Stillhalter:
- Aus einer hohen Volatilität resultiert ein höherer Zeitwert und daher auch ein höherer Optionswert. Dieser spiegelt sich wiederum in einer höheren Prämie wider.
- Fällt die implizite Volatilität anschließend zurück auf ein normales Niveau, verliert die Option zusätzlich an Wert – unabhängig davon, wohin sich der Basiswert bewegt. Diesen Effekt nennt man auch IV-Crush, und er arbeitet direkt für uns als Stillhalter.
- Ist die Volatilität einmal gesunken, ist ein erneuter Anstieg weniger wahrscheinlich.
Es kann sich daher lohnen, gezielt auf solche Kontrakte zu setzen, um so die erhaltene Optionsprämie zu maximieren. Zur Abschätzung der impliziten Volatilität bietet sich der Blick auf den Volatilitätsindex VIX an. Auch eine Analyse des VVIX, also der Volatilität der Volatilität, kann interessante Informationen bereithalten.
Fazit: Die Optionsprämie ist von zentraler Bedeutung – nicht nur für Stillhalter!
Die Optionsprämie ist die Gebühr, die ein Optionskäufer an den Verkäufer zahlt. Im Gegenzug erhält er das Optionsrecht, also die Möglichkeit, den vereinbarten Handel auszuüben oder verfallen zu lassen.
Als Stillhalter (Optionsverkäufer) ist die Prämie unsere einzige Einkommensmöglichkeit. Für den Käufer stellt sie hingegen eine Ausgabe dar, die in jedem Fall zu leisten ist und den möglichen Gewinn reduziert.
Ein Steigern der Optionsprämie ist für die Verkäufer daher besonders wichtig (für Käufer hingegen eher ungünstig). Fünf Möglichkeiten bestehen dazu:
- Nackte Optionen (ohne Absicherung) verkaufen: Dies führt zu höheren Risiken, ermöglicht aber auch das Einbehalten von Prämien ohne Abzüge.
- Strangles verkaufen: Bei dieser Strategie für gleichbleibende Märkte werden zwei Kontrakte verkauft, um die Einnahmen zu maximieren.
- Langlaufende Optionen: Durch eine längere Laufzeit erhöht sich auch die verdiente Prämie. Allerdings müssen wir länger bis zum Verfall warten.
- Optionen näher am Geld verkaufen: Ist der Strike einer Option näher am Geld, steigt die Prämie, aber auch das Risiko für den Stillhalter.
- Höhere Volatilität: In Phasen erhöhter impliziter Volatilität sind auch die Optionsprämien höher.
Alle fünf Varianten kommen natürlich mit eigenen Nachteilen daher. Der Einsatz ist daher stets gut abzuwägen. Generell gilt: Jede der genannten Stellschrauben erhöht nicht nur die Prämie, sondern auch das Risiko. Eine höhere Prämie ist also nie kostenlos – sie ist immer die Vergütung für ein konkretes zusätzliches Risiko.
In der Praxis ist es zudem oft sinnvoller, offene Kontrakte bereits vorzeitig zu schließen, um zumindest einen Teil der Einnahmen zu erzielen. So lässt sich das Gesamtrisiko sehr gut managen.
FAQ – Häufig gestellte Fragen
