Long Put richtig einsetzen

Long Put Option: Definition, Beispiel und Tipps

Der Long Put ist eine attraktive Option für alle Händler, die ohne großes Risiko auf fallende Kurse setzen wollen. Durch sein erhebliches Gewinnpotenzial bei überschaubaren Kosten ist er zudem ein wichtiger Bestandteil zahlreicher Optionsstrategien. Wir zeigen seinen richtigen Einsatz und geben dir wichtige Tipps mit auf den Weg!

Das Wichtigste in Kürze:
  • Der Long Put ist eine von vier grundlegenden Optionen, aus denen sich alle weiterführenden Optionsstrategien zusammensetzen 
  • Wir treten als Käufer der Option auf und sichern uns das Recht, ein Asset zu einem vereinbarten Preis an die Gegenseite verkaufen zu dürfen 
  • Sinkt der Kurs während der Laufzeit, erzielen wir einen Gewinn
  • Ob wir den Handel ausführen oder verfallen lassen, ist allein unsere Entscheidung. Im Gegenzug müssen wir aber eine Prämie zahlen, die auch unseren maximalen Verlust darstellt 
  • Der Long Put bildet die Basis für den Long Strangle, Bear Put Spread und andere Strategien

Wie funktioniert der Long Put?

Long Put
MarkterwartungFallend
ZielPreisspekulation
AuszahlungBei Erfolg
Möglicher GewinnHöhe des Strikes abzüglich Kosten
Möglicher VerlustKosten des Long Puts
Bestandteile1 x Long Put
BasiswerteAlle

Das Hedging, also die Absicherung des eigenen Besitzes gegen Gefahren, ist eine wichtige Tätigkeit für alle Marktteilnehmer. Eine der effektivsten Möglichkeiten, unser Vermögen zu schützen, ist der Long Put.

Sinkt der Preis eines Assets, erzielt ein Long Put einen Gewinn. So gleichen sich Kursverluste und Optionsgewinne aus und sichern unser Kapital. Dies funktioniert so: 

  • Mit einem Long Put sichern wir uns das Recht zu, ein Asset zu einem vereinbarten Preis, an einem festgelegten Zeitpunkt in der Zukunft zu verkaufen
  • Fällt der Preis an der Börse in der Zwischenzeit unter den vereinbarten Preis, erzielen wir einen Gewinn: Wir verkaufen für mehr Geld, als das Asset aktuell wert ist
  • Wenn wir das Asset nicht besitzen, übernimmt unser Broker den Einkauf an der Börse (günstiger Preis), den Verkauf an die Gegenseite (höherer Preis) und schreibt uns die Differenz gut (sog. Cash Settlement)
  • Dieser Vorteil ist nicht kostenlos: Wir müssen eine Gebühr (Prämie) zahlen, um den Long Put zu erwerben
  • Liegt der Börsenpreis am Ende der Laufzeit über unserem Long Put, ist unser Plan fehlgeschlagen. Wir müssen die gezahlte Prämie dann als Verlust verbuchen
Long Put

Ist der Preis an der Börse höher als unser Long Put, ist der innere Wert der Option gleich null: Eine Ausübung hätte keine Wirkung, der Kontrakt ist wertlos.

Unser Ziel ist also, durch fallende Preise einen Gewinn zu erzielen. Das Gegenstück (Gewinn bei steigenden Preisen) ist der Long Call. Mit diesen beiden Optionen können Händler problemlos von Kursbewegungen in beide Richtungen profitieren. 

Gut zu wissen:
Die Gegenseite unseres Long Puts, also die Person, die uns das Verkaufsrecht zusichert, ist ein weiterer Marktteilnehmer. Er (oder sie oder eine Bank oder …) hat kein Wahlrecht und muss unseren Basiswert kaufen, wenn wir dies wünschen. Im Gegenzug erhält er allerdings die Prämie und kann diese als Gewinn verbuchen.

Daneben ist der Long Put aber auch gemeinsam mit anderen Optionskontrakten verwendbar. Je nach Kombination entstehen spannende Strategien, die unterschiedliche Risiken und Chancen bieten.

Der Long Put an einem Beispiel erklärt

Mit einem Long Put sichern wir uns das Recht, einen Basiswert zu einem vereinbarten Preis zu verkaufen. Ein solcher Basiswert könnte zum Beispiel Aktien, ETFs oder auch Rohstoffe sein. 

Aktien sind zweifellos der am besten verständliche Basiswert. Ein Long Put könnte hier zum Beispiel so aussehen: 

  • Die Amazon Aktie steht aktuell bei $220. Wir erwarten, dass ihr Preis in den nächsten Tagen erheblich fällt. 
  • Um von diesem Preisverfall zu profitieren, kaufen wir einen Long Put. Als Strike-Preis (Preis, zu dem wir die Aktie verkaufen können) wählen wir $210 und als Laufzeit unserer Option vier Wochen. 
  • Wir zahlen dafür eine Prämie von $100. Sollte unser Vorhaben scheitern und die Aktien nicht im Preis sinken, sind diese $100 unser maximaler Verlust.  
  • Obwohl wir die Amazon-Aktie überhaupt nicht in unserem Depot haben, können wir profitieren: Unser Broker führt ein sogenanntes Cash Settlement durch, wenn unser Long Put erfolgreich ist und schreibt uns den Gewinn direkt gut.  
Long Put Beispiel

Je weiter der Amazon-Kurs sinkt, desto besser für uns: Wir können die Aktien in jedem Fall für den Strike-Preis von $210 verkaufen. Fällt der Kurs zum Beispiel auf $200, machen wir einen Gewinn von $10 pro Aktie. Eine Aktienoption umfasst immer 100 Wertpapiere; unser Gesamtgewinn läge also bei $1.000.

Gut zu wissen:
Der bestmögliche Fall wäre eine Insolvenz des Unternehmens, was bei einem Weltkonzern wie Amazon natürlich äußerst unrealistisch ist. In diesem Szenario sinkt der Aktienkurs auf $0. Auch dann könnten wir unseren Long Put ausüben und $210 pro Aktie verdienen.

In unserem Beispiel gibt es nun zwei mögliche Resultate, je nachdem, in welche Richtung sich der Amazon-Kurs entwickelt: 

1. Der Preis der Amazon Aktie sinkt unter $210

Unsere Prognose war korrekt und die Amazon-Aktie verliert tatsächlich stark an Wert: 

  • Der Preis fällt während der Laufzeit auf $200 
  • Wir üben unseren Long Put aus und verkaufen die Wertpapiere, wie vereinbart, für $210
  • Das entspricht einem Gewinn von $10 pro Aktie oder insgesamt $1.000 (100 Aktien pro Option, multipliziert mit $10 pro Aktie)  
Long Put Szenario 1

Die gezahlte Optionsprämie von $100 müssen wir von diesem Gewinn noch abziehen. So bleiben uns $900 übrig. 

2. Der Preis der Amazon Aktie bleibt über $210

Unsere Prognose war leider nicht korrekt und der Preis der Amazon Aktie blieb über unserem Strike von $210. Wir lassen unseren Long Put daher zum Ende der Laufzeit wertlos verfallen. Die gezahlten $100 Prämie müssen wir in diesem Fall leider als Verlust verbuchen.

Long Put Beispiel Szenario 2

Long Put Option: Wann lohnt sich der Einsatz?

An unserem Beispiel zeigt sich, dass der Long Put eine sehr lohnende Strategie sein kann!

  • Wir haben für einen Preis von $100 die Chance erworben, hohe Gewinne zu erzielen
  • Bei Misserfolg ist unser Verlust auf die gezahlte Prämie begrenzt
  • Daraus ergibt sich ein sehr ansprechendes Chance-Risiko-Profil

Wenn eine Long Put Option so attraktiv ist, warum nutzen dann nicht alle Händler ständig solche Puts? Die Antwort liegt in den Kosten: 

  1. In unserem Beispiel war die zu zahlende Prämie vergleichsweise gering, da der Kontrakt nur leicht vom Aktienkurs entfernt war (leicht out-of-the-money). Ein höherer Strike, zum Beispiel $215, hätte jedoch auch vielfach höhere Ausgaben bedeutet. 
  2. Bei Misserfolg verursacht ein Long Put also schnell schmerzhafte Kosten. Insbesondere bei mehrmaligem Handel summieren sich diese Gebühren!

Ein Long Put lohnt sich daher nur, wenn wir Anzeichen für fallende Kurse entdeckt haben. Ihn “auf Verdacht” zu handeln ist aufgrund der anhaltenden Kosten kaum eine gute Idee. 

Der Long Put als Protective Put

Einer der einfachsten Anwendungsbereiche des Long Put ist das Hedging. Mit einem sogenannten Protective Put können wir unsere Aktien gegen Kursverluste absichern. 

  • Der Protective Put ist ein Long Put auf eine Aktie (oder Aktien-ETF), die wir in unserem Depot haben
  • Er schützt uns vor Verlusten: Sollte der Aktienkurs sinken, erzielen wir durch unseren Long Put einen Gewinn, der den Buchverlust ausgleicht
  • Steigt der Aktienkurs, verfällt unser Long Put wertlos und wir können durch Verkauf der Wertpapiere einen Gewinn erzielen

Der Unterschied zwischen Long Put und Protective Put ist also lediglich die Frage, ob wir den Basiswert bereits besitzen oder nicht. Wir schützen mit der Protective-Variante unsere Aktien, halten uns aber auch mögliche Gewinne durch steigende Preise offen. 

Der einzige Nachteil: Auch hier wird wieder eine Gebühr für den Kauf der Option fällig. Sie stellt unseren maximalen Verlust und damit unser Risiko dar. 

Insgesamt entsteht so eine sehr einfache Strategie mit attraktiven Vorzügen, die sich für Investoren mit entsprechendem Aktienbesitz (mindestens 100 Wertpapiere sind nötig) in konkreten Gefahrensituationen sehr gut eignet. 

Der Long Put als Teil des Long Strangle

Die Kombination aus Long Call und Long Put, jeweils out-of-the-money, ergibt einen Long Strangle

  • Beide Kontrakte müssen den gleichen Basiswert und die gleiche Laufzeit haben. 
  • Mit dieser Strategie profitieren wir von starken Kursveränderungen, egal in welche Richtung
  • Gleichzeitig müssen wir zwei Prämien zahlen, sodass die Vorgehensweise recht teuer ist
  • Wegen der hohen Kosten ist diese Optionsstrategie nur in speziellen Marktkonstellationen, vor allem bei steigender Volatilität, sinnvoll

Wir können den Long Strangle in eine noch extreme Form überführen, wenn wir beide Kontrakte at-the-money legen: Es entsteht ein Long Straddle. Diese Strategie weist noch höhere Kosten auf, bietet aber auch höchste Gewinne bei starken Kursbewegungen in beide Richtungen. 

Alternativen zum Long Put

Als eine der vier Grundformen des Optionshandels gibt es keine direkte Alternative zum Long Put. Die anderen Grundoptionen, Long Call, Short Put und Short Call, haben jeweils eigene, abweichende Funktionen.

Eine funktionale Ähnlichkeit besteht mit dem Short Selling/Leerverkauf von Assets: 

  • Beide Strategien profitieren von fallenden Preisen
  • Das Risiko eines Long Put ist jedoch auf die gezahlte Prämie begrenzt
  • Bei einem Leerverkauf kann der Verlust hingegen unendlich groß ausfallen, wenn die Kurse stark steigen

Aufgrund des begrenzten Risikos können wir Händlern, die mit fallenden Preisen Gewinne erzielen wollen, ganz klar den Long Put empfehlen. Die Vorteile gegenüber dem Leerverkauf sind aus unserer Sicht eindeutig. 

Unsere Tipps für den richtigen Einsatz des Long Puts

Der Long Put ist eine einfache Option und erscheint auf den ersten Blick sehr leicht einzusetzen. In der Praxis solltest du jedoch einige Punkte beachten:  

  • Umfeld: Ein Long Put sollte nicht einfach nach Belieben eingesetzt werden. Es handelt sich um eine Option, die nur unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll ist. 
  • Kosten beachten: Der große Nachteil eines Long Puts sind seine Kosten. Neben dem richtigen Marktumfeld können auch Strategien wie der Bear Put Spread die Kosten reduzieren, diesen Nachteil beheben.
  • Long Put als Hedge: Nutzt die Option zur Absicherung, solltest du einen längeren Zeitraum wählen. Dadurch erreichst du vor allem zu Beginn einen geringeren Zeitwertverfall. 
  • Long Put als Spekulation: Willst du von einem erwarteten Crash profitieren, ist ein weit out-of-the-money liegender Put besonders sinnvoll. Er ist nicht nur besonders günstig, sondern reagiert auch überproportional stark auf eine steigende Volatilität. 

Fazit: Long Put Option gehört zum Optionshandel dazu!

Der Long Put ist eine von vier grundlegenden Optionsarten, aus denen sich alle weiterführenden Strategien zusammensetzen. Es handelt sich um einen Handelsvertrag, mit dem wir uns ein Verkaufsrecht zusichern. 

  • Als Käufer können wir den vereinbarten Basiswert zum vereinbarten Preis (Strike) verkaufen
  • Ist der Strike-Preis höher als der aktuelle Börsenpreis, erzielen wir einen Gewinn
  • Hat sich unser Long Put ungünstig entwickelt (Börsenpreis > Strike) lassen wir unsere Option einfach wertlos verfallen
  • Der Kauf eines Long Puts kostet uns eine Prämie. Der Einsatz ist daher nur bei Erwartung sinkender Preise sinnvoll

Durch sein begrenztes Risiko (wir können mit einem einzelnen Long Put nur die gezahlte Gebühr verlieren) ist diese Option grundsätzlich auch für kleinere Konten geeignet. Der Preis kann vor allem über die Moneyness, also die Nähe zum Geld, sowie das Delta der Option angepasst werden. 

Die Long Put Option bietet spannende Möglichkeiten, um unser Vermögen zu schützen oder auf fallende Preise zu spekulieren. Zudem ist sie auch zentraler Bestandteil verschiedener Strategien wie dem Long Straddle oder dem Protective Put. Im “Werkzeugkasten” eines Händlers darf der Long Put daher nicht fehlen.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

 

Über den Autor

Alexander Eichhorn

Alexander Eichhorn verantwortet die strategische Ausrichtung von Eichhorn Coaching und ist seit über zehn Jahren als Trader und Investor tätig. Seine inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf langfristigen Investments in Aktien und weiteren Anlageklassen, dem Handel mit der Volatilität sowie der steuerlichen Optimierung von Trading-Aktivitäten – insbesondere im Rahmen von Trading-GmbHs.

CapTrader, einer der führenden Optionsbroker Deutschlands, bezeichnet ihn als „Vola-Papst“ – eine Zuschreibung, die seinen langjährigen Fokus auf den systematischen Handel mit Volatilität widerspiegelt, einem Feld, in dem er zu den wenigen deutschsprachigen Stimmen gehört, die öffentlich nachvollziehbar arbeiten.

Als Autor des Optionsbriefs prägt er die redaktionelle Linie: Marktanalyse, Makroeinordnung, Volatilitätsstrategien und die langfristige Perspektive auf fundamental solide Unternehmen.

Regelmäßige Analysen und Videos erscheinen auf dem Eichhorn Coaching YouTube-Kanal.