Der klassische COT-Report der CFTC zeigt, wie sich die großen Marktteilnehmer am US-Terminmarkt positionieren. Wir erklären die drei Händlergruppen, die Netto-Position, den COT-Index und sagen ehrlich, wo die Daten an ihre Grenzen stoßen.
Bei den COT-Daten handelt es sich um einen wöchentlichen Bericht der US-Regulierungsstelle CFTC, der die Positionierungen verschiedener Marktteilnehmer am Terminmarkt offenlegt. Das klassische und älteste Format dieses Berichts ist der sogenannte Legacy COT-Report. Wer ihn verstanden hat, kann das Prinzip auf alle anderen COT-Formate übertragen. Genau deshalb lohnt es sich, hier anzufangen.
Was ist der COT-Report?
COT steht für Commitments of Traders. Der Bericht wird von der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) herausgegeben, der Aufsichtsbehörde der US-Terminmärkte. Ziel ist Transparenz: Der Report zeigt, wie die meldepflichtigen Teilnehmer eines Marktes in Futures und Optionen positioniert sind, aufgeteilt nach Gruppen mit unterschiedlichen Absichten.
Der COT-Report ist ein wöchentlicher Bericht der CFTC, der die offenen Long- und Short-Positionen verschiedener Händlergruppen am US-Terminmarkt offenlegt. Trader nutzen ihn, um die Stimmung großer Marktteilnehmer einzuordnen und mögliche Wendepunkte zu erkennen.
Veröffentlicht wird der Bericht in der Regel freitags um 21:30 Uhr MEZ. Der Stichtag der Daten ist der vorangegangene Dienstag. Du siehst also nie das tagesaktuelle Bild, sondern die Positionierung mit einigen Tagen Verzögerung. Für eine Methode, die auf langsame Verschiebungen großer Akteure schaut, ist das kein Problem. Für kurzfristige Einstiege schon, dazu später mehr.
Die Report-Formate der CFTC
Es gibt nicht „die“ COT-Daten. Die CFTC veröffentlicht mehrere Formate mit jeweils eigenem Schwerpunkt. Wer von „den“ COT-Daten spricht, meint meist den Legacy-Report. Ein Überblick:
Vergleich der CFTC-Berichtsformate Legacy, Disaggregated, TFF und Supplemental nach Anzahl der Händlergruppen und geeignetem Anwendungsfall.
Den Disaggregated Report gibt es seit September 2009 für zunächst 22 Rohstoffmärkte parallel zur klassischen Variante. Er schlüsselt die Teilnehmer feiner auf. Für den Einstieg bleibt der Legacy-Report die beste Wahl, weil er am einfachsten aufgebaut ist.
Die drei Händlergruppen im Legacy-Report
Commercial Hedger (Commercials)
Kommerzielle Marktteilnehmer, die mit dem physischen Produkt arbeiten, es produzieren, nutzen oder verarbeiten. Ein Ölkonzern, eine Mühle, ein Rohstoffhändler. Diese Gruppe will am Terminmarkt keinen kurzfristigen Gewinn erzielen, sondern sich gegen Preisbewegungen absichern. Weil Commercials nah am physischen Markt sitzen, gelten sie als die am besten informierte Gruppe. Sie agieren typischerweise antizyklisch: An tiefen Preisen bauen sie Long-Positionen auf, an hohen Preisen Short-Positionen.
Large Speculators (Non-Commercials)
Große, meldepflichtige Spekulanten, meist Hedgefonds und institutionelle Anleger. Sie wollen am Terminmarkt verdienen und stellen häufig die Gegenseite der Commercials dar. Diese Gruppe handelt überwiegend trendfolgend: Sie baut Positionen aus, solange ein Trend läuft, und erreicht an Wendepunkten oft Extremwerte.
Small Speculators (Non-Reportables)
Händler mit so kleinen Positionen, dass sie nicht meldepflichtig sind, vor allem Privatanleger. Ihre Positionsgröße ergibt sich rechnerisch als Rest. In der Literatur wird diese Gruppe gelegentlich als „Dumb Money“ bezeichnet, weil sie an Extrempunkten häufig auf der falschen Seite steht. Diese Etikettierung ist plakativ und sollte nicht überstrapaziert werden.
Commercials sichern ab und stehen oft gegen den Trend. Large Speculators folgen dem Trend. Small Speculators sind der nicht meldepflichtige Rest. Diese drei Gruppen ergeben zusammen den kompletten Legacy COT-Report.
Netto-Position berechnen und lesen
Die CFTC liefert die Rohdaten in einer recht unübersichtlichen Tabelle. Gängige Chartsoftware rechnet daraus die Netto-Positionierung jeder Gruppe:
Netto-Position der Commercials = Anzahl Long-Kontrakte − Anzahl Short-Kontrakte
Ein positiver Wert bedeutet netto long, ein negativer Wert netto short. Weil im Terminmarkt jeder Long-Position eine Short-Position gegenübersteht, summieren sich alle Kontrakte über alle Gruppen hinweg immer auf null. Steigt eine Gruppe netto long, muss eine andere im Gegenzug netto short gehen.
Die isolierte Zahl einer Woche sagt für sich genommen wenig. Erst der Vergleich mit der historischen Entwicklung macht sie aussagekräftig. Genau dafür gibt es den COT-Index.
COT-Daten interpretieren
Die Grundannahme lautet: Die Netto-Position der Commercials spiegelt das Verhalten der bestinformierten Marktteilnehmer wider. Spannend wird es an den Extremen:
- Extreme Long-Position der Commercials bei gleichzeitig extremer Short-Position der Spekulanten gilt als Hinweis auf eine mögliche Bodenbildung. Die Insider kaufen, während die Masse verkauft.
- Extreme Short-Position der Commercials bei extrem long positionierten Spekulanten deutet umgekehrt auf eine mögliche Top-Bildung hin.
Wichtig: Das sind keine Timing-Signale. Eine Extremposition kann wochenlang extremer werden, bevor sich der Markt dreht. Sinnvoll genutzt wird der COT-Report deshalb als Sentiment- und Risikoeinschätzung innerhalb eines übergeordneten Trends, kombiniert mit einer charttechnischen Bestätigung für den tatsächlichen Einstieg.
Der COT-Index als Maßstab
Um eine Netto-Position einzuordnen, braucht es einen Bezugsrahmen. Genau das leistet der COT-Index (auch Commercial Index, eingeführt von Curtis Arnold). Er setzt die aktuelle Netto-Position ins Verhältnis zur höchsten und niedrigsten Position eines gewählten Zeitraums, üblicherweise drei Jahre, und skaliert das Ergebnis auf eine Spanne von 0 bis 100.
- Werte über 80: die Gruppe ist im oberen Bereich ihrer historischen Spanne positioniert, also vergleichsweise bullisch.
- Werte unter 20: die Gruppe ist am unteren Rand, also vergleichsweise bärisch.
So wird aus „46.600 Kontrakte netto long“ eine Aussage, mit der man arbeiten kann: durchschnittlich oder bereits ein Extrem. Erst diese prozentuale Gewichtung macht die Rohzahl handhabbar.
Grenzen des COT-Reports
Damit hier kein falscher Eindruck entsteht, der COT-Report ist kein Selbstläufer:
- Zeitverzug: Stichtag Dienstag, Veröffentlichung Freitag. Bei schnellen Bewegungen sind die Daten beim Erscheinen bereits überholt.
- Kein Timing-Werkzeug: Der Report sagt nichts darüber, wann eine Wende eintritt, nur dass eine Positionierung extrem ist.
- Marktabhängig: Am aussagekräftigsten ist er in liquiden Rohstoff- und Terminmärkten mit hohem institutionellem Anteil. In dünnen Märkten ist die Aussagekraft geringer.
- Keine Anlageberatung: Die Daten sind ein Baustein, kein fertiges System.
Sinnvoll ist der COT-Report als einer von mehreren Bausteinen, eingebettet in Trendkontext, Charttechnik und Risikomanagement.
COT-Daten und Optionshandel
Für uns als Stillhalter ist der COT-Report vor allem ein Stimmungsbarometer. Wer Optionen auf Rohstoff-Futures verkauft, etwa Cash Secured Puts auf Gold oder Öl, will eine Vorstellung davon haben, wo der Markt im Zyklus steht und wie die großen Adressen positioniert sind. Eine extreme Commercial-Positionierung an einem Tief kann die Entscheidung stützen, auf der Verkäuferseite gegen die Panik der Masse zu stehen, sofern Charttechnik und Volatilität dazu passen.
Ergänzend zur Positionierung lohnt der Blick auf die Terminstruktur derselben Futures, also die Form der Forward-Kurve zwischen Contango und Backwardation. Wer die COT-Positionierung mit der Kurvenform zusammenliest, bekommt ein deutlich vollständigeres Bild. Eine kostenlose Live-Übersicht der Terminstrukturkurven für VIX und die großen Rohstoffe gibt es bei Tradility, ohne Anmeldung.
Konkrete Beispiele und Videos zum Handel mit Rohstoff-Optionen findest du in unserer YouTube-Playlist „Handel mit Rohstoff-Optionen“. Den COT-Report verstehen wir dabei nie als Signalgeber, sondern als Einordnung.
Wo finde ich die COT-Daten?
Die Originaldaten stellt die CFTC kostenlos auf ihrer Website bereit (cftc.gov, Bereich Commitments of Traders). Dort gibt es jedes Format als Datei, beim Legacy-Report etwa in der Variante „Futures Only, Short Form“. Weil die Rohtabellen unübersichtlich sind, bereiten die meisten Trader die Daten über ihre Chartsoftware auf, die Netto-Positionen und COT-Index automatisch berechnet und darstellt.
Vom Marktbild zum konkreten Trade
Positionierung, Volatilität und Terminstruktur sind die Zutaten. Wie wir daraus konkrete Stillhalter-Trades bauen, zeigen wir alle zwei Wochen im Optionsbrief: vollständige Trades mit Strike, Laufzeit, Prämie und Cashflow-Rechnung, ein Scoreboard aller offenen Positionen, das Volatilitätsbarometer und die Börsenampel. Keine Versprechen, nur nachvollziehbare Entscheidungen, die du selbst prüfen kannst.


