Innerer Wert

Innerer Wert einer Option: Erklärung und Anwendung

Der innere Wert ist der Betrag, den der Käufer bei sofortiger Ausübung einer Option erhält. Gemeinsam mit dem Zeitwert bildet er eine zentrale Säule im Optionshandel, die du verstehen und richtig einschätzen musst. Wir helfen dabei und erklären den inneren Wert Schritt für Schritt, samt Berechnung und Beispielen.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der innere Wert ist der Betrag, der bei sofortiger Ausübung an den Käufer ausgezahlt würde. Gemeinsam mit dem Zeitwert bildet er den Optionspreis.
  • Er berechnet sich aus der Differenz zwischen dem aktuellen Kurs des Basiswerts und dem Strike.
  • Je nach Höhe des inneren Werts liegt eine Option „im Geld“, „am Geld“ oder „aus dem Geld“. Man spricht von der Moneyness.
  • Verschiedene Strategien brauchen Optionen mit unterschiedlicher Moneyness.

Was ist der innere Wert und wie wird er berechnet?

Jede Option ist ein Vertrag über einen Handel in der Zukunft. Es gibt zwar Unterschiede zwischen einer europäischen und einer amerikanischen Option, aber alle Kontrakte haben eins gemeinsam: Ihr Preis setzt sich aus Zeitwert und innerem Wert zusammen.

Der innere Wert (englisch intrinsic value) ist der Betrag, den der Käufer bei sofortiger Ausübung erhalten würde. Er berechnet sich unterschiedlich, je nachdem, ob eine Call- oder eine Put-Option vorliegt:

  • Call: Kurs des Basiswerts − Strike
  • Put: Strike − Kurs des Basiswerts

Der innere Wert kann nie kleiner als null sein, denn der Käufer ist nicht zur Ausübung verpflichtet. Würde die Rechnung negativ, verzichtet er einfach. Für die Praxis ist trotzdem wichtig, wie weit eine Option im oder aus dem Geld liegt, denn das hat strategische Bedeutung.

Innerer Wert von Call-Optionen

Bei Call-Optionen, egal ob Long Call oder Short Call, entspricht der innere Wert dem Kurs des Basiswerts abzüglich des Strike. Der Käufer hat ja das Recht, den Basiswert zum Strike zu kaufen.

Liegt der Kurs über dem Strike, hat die Option einen inneren Wert. Liegt er darunter, hat sie keinen, denn negative Beträge werden zu null.

In der Praxis sieht das so aus:

  • Die Apple-Aktie notiert aktuell bei 270 $.
  • Ein Call mit Strike 250 $ hat einen inneren Wert von 20 $ (270 $ − 250 $ = 20 $).
  • Ein Call mit Strike 280 $ hat keinen inneren Wert (270 $ − 280 $ = −10 $, negative Ergebnisse werden zu null).

Der innere Wert schlägt sich im Preis nieder. Bei 60 Tagen Restlaufzeit ergeben sich etwa folgende Kosten:

  • 250er Call: 22 $
  • 280er Call: 2 $

Der 280er Call hat keinen inneren Wert, du zahlst also nur den Zeitwert. Der 250er Call besteht aus 20 $ innerem Wert und 2 $ Zeitwert. Bei sofortiger Ausübung (amerikanische Option) bekäme der Käufer die 20 $, verlöre aber die 2 $ Zeitwert.

Apple-Chart mit Strike-Linien: Der 250er Call liegt im Geld mit 20 $ innerem Wert, der 280er Call hat keinen inneren Wert

Innerer Wert von Put-Optionen

Eine Put-Option gibt dem Käufer das Recht, den Basiswert zum Strike zu verkaufen. Der innere Wert ergibt sich hier aus Strike minus Kurs, also umgekehrt zum Call.

Liegt der Kurs unter dem Strike, gibt es einen inneren Wert, sonst beträgt er null.

In der Praxis:

  • Die Apple-Aktie notiert bei 270 $.
  • Ein Put mit Strike 250 $ hat keinen inneren Wert (250 $ − 270 $ = −20 $, also null).
  • Ein Put mit Strike 280 $ hat einen inneren Wert von 10 $ (280 $ − 270 $ = 10 $).

Auch hier bestimmt der innere Wert die Kosten. Bei 60 Tagen Restlaufzeit:

  • 280er Put: 15 $
  • 250er Put: 5 $

Der 250er Put hat keinen inneren Wert, du zahlst nur den Zeitwert. Der 280er Put dagegen besteht aus 10 $ innerem Wert und 5 $ Zeitwert. Bei sofortiger Ausübung erhielte der Käufer die 10 $, verlöre aber die 5 $ Zeitwert.

Apple-Chart mit Strike-Linien: Der 280er Put hat 10 $ inneren Wert, der 250er Put hat keinen inneren Wert

Innerer Wert und Moneyness einer Option

Optionshandel gilt unter Einsteigern als komplex, auch wegen des Fachvokabulars. Für den inneren Wert nutzen Händler eigene Begriffe:

  • Moneyness: auch „Geldnähe“. Sie sagt, ob und wie stark ein Kontrakt einen inneren Wert hat.
  • Aus dem Geld (out-of-the-money): kein innerer Wert. Bei sofortiger Ausübung würde der Inhaber nichts verdienen.
  • Am Geld (at-the-money): Kurs und Strike sind (nahezu) gleich. Noch kein innerer Wert, aber kurz davor. Solche Kontrakte haben in der Regel einen besonders hohen Zeitwert.
  • Im Geld (in-the-money): positiver innerer Wert. Bei Ausübung würde der Inhaber einen Gewinn erzielen.

Diese Begriffe sind in der Praxis wichtig, denn Strategien verlangen unterschiedliche Moneyness. Für einen Cash Secured Put setzen wir zum Beispiel auf aus dem Geld, für einen Covered Call eher auf am oder im Geld.

Beispiel: aus dem Geld (Apple bei 270 $)

250er Put: aus dem Geld (jeder Strike unter 270 $), kein innerer Wert.
280er Call: ebenfalls aus dem Geld, da der Strike über dem Kurs liegt.

Apple-Chart: Ein Call über dem Kurs und ein Put unter dem Kurs sind beide aus dem Geld (out-of-the-money)
Beispiel: im Geld

280er Put: brächte bei sofortiger Ausübung 10 $, also im Geld.
250er Call: Strike unter dem Kurs, hat inneren Wert, also im Geld.

Apple-Chart: Ein Put über dem Kurs und ein Call unter dem Kurs sind beide im Geld (in-the-money)
Beispiel: am Geld

Eine Option ist am Geld, wenn ihr Strike dem Kurs entspricht, hier 270 $. Werte in der Nähe (etwa 268 $ oder 271 $) gelten in der Praxis oft ebenfalls als am Geld.

Fazit: Der innere Wert ist einfach, aber wichtig

Der innere Wert ist eine Grundgröße im Optionshandel. Er beschreibt, welchen Betrag der Käufer bei sofortiger Ausübung bekäme. Zusammen mit dem Zeitwert, der die verbleibenden Chancen abbildet, ergibt er den Optionspreis und damit die Optionsprämie.

Je nach innerem Wert spricht man von unterschiedlicher Moneyness:

  • Aus dem Geld: kein innerer Wert, sofortige Ausübung brächte nichts.
  • Am Geld: Strike und Kurs stimmen überein, noch kein innerer Wert, aber kurz davor.
  • Im Geld: innerer Wert vorhanden, Ausübung brächte einen Gewinn.

Auch bei europäischen Optionen, die sich gar nicht vorzeitig ausüben lassen, nutzt man diese Kennzahl, vor allem strategisch: Verschiedene Strategien verlangen verschiedene Moneyness.

Hast du den inneren Wert verstanden, ist der nächste Schritt der Zeitwert und danach die Optionsgriechen. Sie sind die weiteren zentralen Einflussfaktoren auf den Optionspreis.

FAQ – Häufige Fragen zum inneren Wert

Was ist der innere Wert einer Option?
Der innere Wert ist der Gewinn, den der Optionsinhaber bei sofortiger Ausübung erzielen würde. Er kann nie negativ werden, denn bei einem negativen Ergebnis verzichtet der Inhaber auf die Ausübung. Zusammen mit dem Zeitwert bildet er die Optionsprämie.
+Wie berechnet man den inneren Wert einer Put-Option?
Bei einer Put-Option ziehst du den Kurs des Basiswerts vom Strike ab: Strike − Kurs. Ist das Ergebnis positiv, ist das der innere Wert. Ist es negativ, beträgt der innere Wert null. Beispiel: Strike 280 $, Kurs 270 $, innerer Wert 10 $.
+Wie wird der innere Wert einer Call-Option berechnet?
Beim Call gilt die umgekehrte Rechnung: Kurs des Basiswerts − Strike. Liegt der Kurs über dem Strike, ergibt sich der innere Wert, sonst ist er null. Beispiel: Kurs 270 $, Strike 250 $, innerer Wert 20 $.
+Was sagt der innere Wert einer Option aus?
Er zeigt, wie viel eine Option allein durch die aktuelle Kurslage wert ist, unabhängig von der Restlaufzeit. Ein hoher innerer Wert heißt, die Option liegt tief im Geld. Für die Strategiewahl ist das entscheidend, weil verschiedene Ansätze Optionen mit unterschiedlicher Moneyness brauchen.

Über den Autor

Alexander Eichhorn

Alexander Eichhorn verantwortet die strategische Ausrichtung von Eichhorn Coaching und ist seit über zehn Jahren als Trader und Investor tätig. Seine inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf langfristigen Investments in Aktien und weiteren Anlageklassen, dem Handel mit der Volatilität sowie der steuerlichen Optimierung von Trading-Aktivitäten – insbesondere im Rahmen von Trading-GmbHs.

CapTrader, einer der führenden Optionsbroker Deutschlands, bezeichnet ihn als „Vola-Papst“ – eine Zuschreibung, die seinen langjährigen Fokus auf den systematischen Handel mit Volatilität widerspiegelt, einem Feld, in dem er zu den wenigen deutschsprachigen Stimmen gehört, die öffentlich nachvollziehbar arbeiten.

Als Autor des Optionsbriefs prägt er die redaktionelle Linie: Marktanalyse, Makroeinordnung, Volatilitätsstrategien und die langfristige Perspektive auf fundamental solide Unternehmen.

Regelmäßige Analysen und Videos erscheinen auf dem Eichhorn Coaching YouTube-Kanal.