Falsche Option gehandelt, und plötzlich stehen 10.000 Liter Rohöl oder tausend Rinderhälften im Vorgarten? Keine Sorge, in der Realität ist das unmöglich. Dank Cash Settlement kannst du ohne solche Bedenken traden. Wir erklären, wie es funktioniert und warum selbst eine physische Lieferung kein Problem ist.
- Cash Settlement ist eine Abrechnungsmethode für Optionen, Optionsscheine und Futures: Du bekommst Gewinn oder Verlust in bar, statt den Basiswert geliefert zu bekommen.
- Das Gegenteil ist die physische Lieferung. Hier wandern Wertpapiere wie Aktien tatsächlich in dein Depot oder heraus.
- Bei Futures auf Rohstoffe schließt dein Broker den Kontrakt kurz vor der Ausübung, damit dir nichts angedient wird.
- Bei abstrakten Basiswerten wie dem VIX oder einem Index heißt das Cash Settlement oft einfach „bar“.
Was ist Cash Settlement?
Wir handeln Futures und Optionen, um Geld zu verdienen oder unser Depot abzusichern. Ursprünglich entstanden diese Kontrakte aber für einen ganz anderen Zweck: Landwirte, Industrie und Großhändler wollten damit Preise für echte Waren sichern und die Produkte tatsächlich kaufen oder verkaufen.
Daraus ergeben sich zwei Grundformen der Abrechnung:
Physische Lieferung: Wird der Kontrakt ausgeübt, wechselt der Basiswert wirklich den Besitzer, ob Getreide, Rohöl oder Aktien. Gedacht für Produzenten und Händler, die echte Ware brauchen.
Cash Settlement: Statt der Ware gibt es den Gegenwert in bar. Gedacht für Spekulation und Hedging, also für die meisten von uns.
Greifbare Werte wie Aktien lassen sich physisch liefern. Abstrakte Konzepte wie ein Aktienindex oder der Volatilitätsindex VIX dagegen nicht, hier bleibt nur das Cash Settlement.
Bei manchen Basiswerten heißt die Abrechnungsmethode statt „Cash Settlement“ einfach „bar“. An der Funktionsweise ändert das nichts.
Cash Settlement bei Optionen
Bei einer Option stehen dir meist beide Wege offen. Das Cash Settlement ist dabei denkbar einfach:
- Wird die Option ausgeübt (bei amerikanischen jederzeit, bei europäischen nur zum Laufzeitende), bekommt der Käufer seinen Gewinn in bar gutgeschrieben.
- Beim Stillhalter ist es umgekehrt: Läuft der Short Put oder Short Call ins Minus, wird der Betrag abgezogen.
- Der Basiswert wechselt nicht den Besitzer, egal ob Aktie, ETF oder Rohstoff.
- Bringt die Option dem Käufer keinen Gewinn, verzichtet er auf die Ausübung. Dann gibt es auch nichts abzurechnen.
Endet eine barabgerechnete Option im Geld, wird sie an den meisten Börsen automatisch ausgeübt und glattgestellt. Du musst also nichts aktiv tun, um deinen Gewinn zu erhalten.
Physische Lieferung bei Optionen
Die physische Lieferung schüchtert Einsteiger oft ein. Zu Unrecht, denn ein Lastwagen voller Getreide steht garantiert nie vor der Tür. Man muss nur zwei Klassen von Basiswerten unterscheiden.
1. Physisch handelbare Werte (Aktien, Anleihen, andere Wertpapiere, Währungen)
Die Lieferung ist problemlos: Die Aktien wandern schlicht aus dem Depot des Verkäufers in das des Käufers, bei Forex-Optionen entsprechend die Währung. Für Strategien wie den Cash Secured Put, den Covered Call und die Kombination daraus, die Wheel-Strategie, ist genau diese Lieferung sogar nötig. Wer den Basiswert nicht besitzen will und ohnehin vorzeitig schließt, kann frei zwischen beiden Formen wählen.
2. Nicht physisch handelbare Werte (Rohstoffe, Indizes, abstrakte Werte)
Hier ist eine echte Lieferung nicht möglich oder nicht erwünscht:
- Rohstoffe wie Getreide, Zucker, Rohöl oder Gas lassen sich nicht an Privatanleger liefern. Nötig ist das auch nicht: Solche Commodity-Optionen haben immer einen Future als Basiswert. Bei Ausübung bekommst du also den Future angedient, nicht den Rohstoff.
- Abstrakte Konzepte wie der VIX oder sogar das Wetter lassen sich weder aushändigen noch ins Depot buchen. Auch hier bleibt nur Cash Settlement.
Eine Ausnahme sind Optionen mit einem VIX-Future als Basiswert. Obwohl der VIX selbst abstrakt ist, wird hier bei Ausübung der VIX-Future ins Depot gebucht.
Cash Settlement bei Futures
Beim Future funktioniert die Bar-Abrechnung genauso wie bei der Option: Gewinn oder Verlust wird am Laufzeitende verrechnet. Anders sieht es bei physischer Lieferung aus:
- Ein Future mit physischer Lieferung führt tatsächlich zur Andienung des Basiswerts, bei Rohstoffen also zu Kupfer, Kartoffeln oder Schweinehälften.
- Genau hier greift dein Broker ein und schließt den Kontrakt, bevor es dazu kommt.
- Der Zeitpunkt ist von Broker zu Broker verschieden. Deshalb lohnt sich Aufmerksamkeit, um keinen ungünstigen Zwangs-Exit zu erwischen.
In der Praxis gilt: Barabgerechnete Futures nutzen oder rechtzeitig selbst schließen. So verlässt du den Trade zu einem Kurs deiner Wahl, statt dich vom automatischen Exit überraschen zu lassen.
Sonderfall: Optionen auf Indizes
Ein Index wie der S&P 500 oder der DAX ist ein Korb aus Aktien. Theoretisch könnten die den Besitzer wechseln, praktisch wäre das viel zu komplex, es ginge um hunderte kleinster Bruchstücke. Deshalb wird immer bar abgerechnet, oft schlicht als „Bar“ bezeichnet.
Dazu wird der Indexstand in Punkten mit einem Multiplikator verrechnet und in Euro oder Dollar ausgezahlt. Die Höhe unterscheidet sich je nach Basiswert: Bei US-Indexoptionen sind $100 üblich, beim DAX €5, beim Euro Stoxx 50 €10.
Auch hier gibt es die Future-Variante: Bei Optionen auf einen Index-Future wird bei Ausübung der Future angedient, nicht der Index selbst.
Barausgleich oder physische Lieferung: Was ist besser?
Bei vielen Strategien spielt der Unterschied kaum eine Rolle. Wer eine Aktie oder einen ETF wirklich ins Depot bekommen will, wählt die Lieferung. Geht es nur um den Gewinn in bar, funktionieren beide Wege: Barkontrakte werden ohnehin verrechnet, Lieferkontrakte einfach vorher geschlossen.
Bei Futures mit Lieferung gilt die Faustregel: lieber selbst schließen als auf den Broker warten. Schau dir vor dem ersten Future-Trade den Schließungszeitpunkt deines Brokers an, die Zeiten weichen teils deutlich ab. Bei Rohstoff-Optionen entfällt der Punkt: Dort bekommst du im Zweifel den zugrunde liegenden Future, nicht die Ware.
Fazit
Ein Trade läuft schief, und plötzlich musst du 1.000 Schweinehälften in der Gefriertruhe lagern? Das gibt es nur in Hollywood. Davor bist du grundsätzlich geschützt.
Am einfachsten fährst du mit Cash-Settlement-Kontrakten, die am Ende schlicht bar abgerechnet werden. Wählst du die physische Lieferung, hängt das Ergebnis vom Produkt ab: Bei Aktien und Anleihen wechselt der Basiswert problemlos den Besitzer, was etwa für den Covered Call wichtig ist. Bei Indizes und abstrakten Werten bleibt nur die Bar-Abrechnung. Und bei Rohstoffen bekommst du ohnehin einen Future angedient, keine echte Ware.
Kurz: Vor Tanklastern im Vorgarten musst du dich nie fürchten. Aber es lohnt sich, nicht nur auf Strategien und Kurse zu schauen, sondern auch solche Mechanismen zu verstehen, genauso wie den Unterschied zwischen europäischen und amerikanischen Optionen oder die Rolle des Hexensabbats.
